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Am Dienstag kommen Flüchtlinge ins Waschhaus. Bereits am Samstag waren andere im „Freiland“

Protest mit Musik: Am heutigen Dienstag macht eine Gruppe von Flüchtlingen um den politischen Musiker und Buchautor Heinz Ratz und dessen Musikprojekt Strom&Wasser in der Schiffbauergasse Station. Ratz, der für seine politischen Projekte bekannt ist, widmet sich diesmal dem Thema Asyl: Seit dem 14. Juli sind zwei Flüchtlingsboote, die zu Flößen umgebaut wurden, auf deutschen Flüssen unterwegs. Die Verletzlichkeit dieser Transportmittel in Kontrast zu Luxusjachten und Ausflugdampfern soll die prekäre Situation der Flüchtlinge veranschaulichen. Am Dienstagabend haben die Musiker und die Flüchtlinge in der Schiffbauergasse ab 21 Uhr ein gemeinsames Konzert im Waschhaus geplant.

Bereits am Samstag hatten Flüchtlinge in Potsdam Station gemacht – zu ihrem Schutz wurden die insgesamt 35 Teilnehmer des Fahrradkorsos von der Polizei begleitet. Zahlreiche Kilometer wurden von den Flüchtlingen auf dem Fahrrad zurückgelegt. Der ursprüngliche Plan war, von Berlin über Bad Belzig, Beelitz, Potsdam, Berlin, Fürstenwalde, Frankfurt (Oder) nach Eisenhüttenstadt zu fahren und unterwegs alle Aufnahmelager abzuklappern. Allerdings wurde das dann doch aufgegeben: Zu kompliziert war es, für alle eine Übernachtungsmöglichkeit zu finden – außerdem waren die Fahrräder nicht immer so zuverlässig.

Am Samstagabend gab es den Zwischenstopp im Jugendkulturzentrum „Freiland“, 45 Kilometer wurden vorher gefahren – zum Abend gab es Essen nach pakistanischem Rezept: Reis, Kichererbsen, Chili und Curry. Und die ausgelassene Stimmung des Abends täuschte darüber hinweg, dass die Flüchtlinge ein ernsthaftes Anliegen haben: Viele kommen aus den Aufnahmelagern, die oftmals den Charakter von Gefängnissen haben. „No jail for refugees“ – kein Gefängnis für Flüchtlinge – stand auf den Transparenten. Daraus spricht blanke Verzweiflung: Die Flüchtlinge fühlen sich nach eigener Aussage kriminalisiert, teilweise kommen sie in Abschiebegefängnissen unter und leben in der permanenten Angst, wieder in ihr Heimatland abgeschoben zu werden, wo ihnen mitunter der Tod droht.

Asif etwa kommt aus Pakistan, er ist ein politischer Flüchtling. „Wir wehren uns nicht gegen Menschen, sondern gegen ein unmenschliches System“, sagt er. Er möchte nicht wie ein Krimineller behandelt werden, nur weil er eine Zuflucht sucht. Viele in den Aufnahmelagern wüssten gar nicht, dass sie auch Rechte haben. Dennoch würden sie einfach weggesperrt und nicht einmal Papiere bekommen. Es gebe in Deutschland eine Abschiebemaschinerie, die abseits von der Öffentlichkeit den Menschen, die um ihr Leben fürchten, ihrem Schicksal überlasse, so sein Vorwurf – besonders im Abschiebegefängnis Eisenhüttenstadt.

Flüchtlinge und eine Handvoll Unterstützer sahen sich im „Freiland“ die Videos von der Fahrradtour an – es wurde viel gelacht, nicht jeder macht eine gute Figur auf einem Fahrrad. Auf dem Video ist zu sehen, wie der Korso durch die Brandenburger Provinz fährt, eskortiert von Polizeimotorrädern, an den Laternen am Straßenrand hängen NPD-Plakate. Am Donnerstagabend waren sie in Bad Belzig, die Bürgermeisterin war vor Ort, ebenso Vertreter der Linken. Auch die NPD soll sogar kurz vor dem Eintreffen der Flüchtlinge ein paar Plakate aufgehängt haben.

Für Dirk Harder vom „Freiland“ ist es selbstverständlich, dass den Flüchtlingen eine Unterkunft gewährt wird, sie können in den Räumen in der Friedrich-Engels-Straße duschen und schlafen. Harder freue sich auch über die Unterstützung von anderen: Der Bioladen „Safran“ in Babelsberg und die Bio-Company etwa spendeten Lebensmittel für das gemeinsame Abendessen. Oliver Dietrich