2019-03-05 MAZ: Erneute Verlängerung für Freiland

Vor dem Ausstieg der Stadtwerke als Vertragspartner sollen externe Experten für die Stadt ein mögliches Betriebsmodell für das Kulturzentrum sowie weitere Immobilien wie die Biosphäre und die Schiffbauergasse untersuchen.

Das Jugendkulturzentrum Freiland geht in eine weitere Verlängerung. Der Pachtvertrag der Stadtwerke als Eigentümer des Geländes an der Friedrich-Engels-Straße mit der Cultus UG als Betreibergesellschaft soll erneut um ein Jahr bis zum 30. September 2020 verlängert werden.

Das hat die Verwaltung in einer Mitteilung bekannt gegeben, die am Mittwoch auf der Tagesordnung der Stadtverordneten steht.

Wie berichtet, hatten die Stadtwerke im Sommer 2017 erklärt, den Pachtvertrag mit Cultus im September 2018 auslaufen zu lassen, weil die Sicherung eines Kultur- und Veranstaltungsbetriebes nicht zu ihrem Aufgabenspektrum gehöre.

Hintergrund waren unter anderem Unstimmigkeiten im Zusammenhang mit nötigen Sanierungsarbeiten zur Sicherung des Betriebes und der geplanten Erweiterung des Angebotsspektrums etwa mit Bandproberäumen. Dem 2010 eröffneten Zentrum schien damit das Aus zu drohen.

Die Stadtverordneten beschlossen jedoch mit großer Mehrheit eine Verlängerung zunächst um ein Jahr, um in der Zeit nach einer Lösung zu suchen.

Nach Mitteilung der Stadt werden von der eigens gegründeten Arbeitsgruppe Freiland zwei Varianten favorisiert, deren Prüfung jedoch so komplex sei, dass mehr Zeit benötigt werde.

Erste Prämisse: Cultus UG bleibt Betreiber

Erste Prämisse: Die Betreibergesellschaft bleibt. „Die Betreibung … soll in jedem Fall in der Verantwortung der Cultus UG bleiben“, heißt es in der Mitteilung: „Entsprechende langfristige Verträge sollen nach Klärung der Eigentumsverhältnisse abgeschlossen werden.“

Sicher ist: Die Stadtwerke werden das Grundstück abgeben. Nach Variante 1 würden sie das Grundstück an die Stadt abgeben, die das Gelände durch den Kommunalen Immobilienservice (Kis) betreuen ließe.

Der Kis ist als Verwalter von Schulen, Jugendclubs und namhaften Kultureinrichtungen wie dem Hans-Otto-Theater, dem Nikolaisaal oder auch dem Potsdam-Museum bestens mit der Materie vertraut.

Nach Variante 2 ginge das Grundstück an ein städtisches Tochterunternehmen über, das „noch zu bestimmen“ sei, so die Mitteilung der Verwaltung.

Denkbar wäre ein Engagement der kommunalen Immobilienholding Pro Potsdam, die mit der Schiffbauergasse das größte Potsdamer Kulturviertel verwaltet und mit der Biosphäre einen der größten Potsdamer Veranstaltungsorte betreibt.

Nachteil von Variante 1: Notwendige Investitionen stünden immer unter dem Vorbehalt verfügbarer Mittel im Stadthaushalt.

Prüfung zu „sogenannten Sonderimmobilien“

Die Freiland-Frage soll von einem externen Prüfer gemeinsam mit weiteren „sogenannten Sonderimmobilien“, so der Wortlaut der Mitteilung, geklärt werden. Nach MAZ-Informationen sind auch die Biosphäre und die Schiffbauergasse in diesem Auftragspaket.

Das Ergebnis dieser Prüfung werde im Herbst 2019 erwartet. Unmittelbar danach soll den Stadtverordneten ein Beschlussvorschlag unterbreitet werden.

Der aufgelaufene Investitionsstau liege nach Einschätzung des von Cultus UG beauftragten Architekten bei mehr als 830 000 Euro. Bei einem Teil davon handele es sich um Baumaßnahmen, die von den Stadtwerken nicht abgeschlossen worden seien. Wie berichtet, erwies sich als besonderes Problem, dass die erste Baugenehmigung für das Freiland 2017 abgelaufen war.

Nach Angaben von Achim Trautvetter, Chef der Cultus UG, wurde am Montag für den Ausbau des Hauses 1 am Haupteingang des Geländes der erste von insgesamt vier neuen Bauanträgen zur Sicherung und Erweiterung des Freiland bei der Stadt abgegeben.

Von Volker Oelschläger