2016-05-09 PNN Rosenhochzeit für Pop-Art-Möbel

Rosenhochzeit für Pop-Art-Möbel

Foto: Andreas Klaer

Seit zehn Jahren gibt es das Atelier „Farbknall“ von Steffi Ribbe, seit vier Jahren auf dem Freiland-Areal
Normalerweise lässt sich Steffi Ribbe nicht dazu hinreißen, irgendetwas zu diktieren. Einen Satz sagt sie aber dann doch über sich selbst: „Eine kleine maritime Macke hat sie auch.“ Stimmt, die hat sie schon – aber die fällt gar nicht so auf inmitten dieser ganzen bunten Möbelstücke, die sie in ihrem Ausstellungsraum im Freiland-Gelände herumstehen hat. Aber der Unterstellschrank, auf den sie einen Leuchtturm gemalt hat – der ist nicht zu übersehen. Draußen legt ein DJ auf, „Sitzdisco“, kaum jemand ohne Sonnenbrille ist da.
Zehn Jahre gibt es ihr Atelier „Farbknall“ jetzt schon, sie selbst nennt die Feier zum „Tag der offenen Ateliers“ am gestrigen Sonntag ihre Rosenhochzeit. Angefangen hatte sie damals in Potsdam-West in der Geschwister-Scholl-Straße, bis zum Abriss des Gebäudes blieb sie dort, vor vier Jahren fand sie auf dem Freiland-Gelände eine neue Heimat – einen kleinen Raum, in der sich allerlei Materialien stapeln, und den großen Raum zum Arbeiten. Ihr Hauptgeschäft besteht in der Restaurierung von alten Möbelstücken – denen sie mit einer bunten Neugestaltung zu einem neuen Leben verhilft: eine Wickelkommode mit einem pummeligen Einhorn etwa, eine Hausbar mit integrierter Stehlampe, Che Guevara auf einem Schrank, Nina Hagen auf einem Stuhl – Pop-Art für Möbel, wenn man so will.
Allein vom Aufmotzen alter Möbelstücke kann Steffi Ribbe nicht leben, auch wenn mittlerweile regelmäßig Auftragsarbeiten hereinflattern – auch weil ihr ein eigener Laden fehlt und das Geschäft nur online läuft. Ein großes Beschäftigungsfeld ist die Dekoration von Hochzeiten: Letztes Jahr habe sie eine Hochzeit von zwei Australiern dekoriert, auf einer Insel bei Kyritz, mit Herzchenketten, Stehlampen, Fahrradrädern, Spiegeln. Oder sie arbeitet beim Film, „als Setdresser-Assi“ – letztes Jahr zum Beispiel bei der ARD-Serie „Die Stadt und die Macht“ mit Anna Loos, da sollte sie eine Waldhütte, die nur von Arbeitern benutzt wurde, so einrichten, als könnte man dort wohnen. Solche Arbeiten kann sich Steffi Ribbe auch regelmäßiger vorstellen.
Nicht dass sie nichts zu tun habe: Schulpraktika bei ihr seien beliebt, und Praktikanten nehme sie immer wieder gern: „Das hat sich schon rumgesprochen, dass es bei mir cool ist und wir nicht früh um sieben anfangen – und trotzdem ist es richtige Arbeit.“ Mit jungen Leuten kann sie sowieso gut, auch wenn die Praktikanten manchmal lachen, weil jede elektronische Musik einfach „Techno“ für sie sei. Mittwochs finden immer Kinderkurse statt, aber es gibt auch Kurse für Erwachsene, die abends stattfinden: Die bringen mal einen alten Stuhl mit, mal ein Nähkästchen – neben der Arbeit wird viel gelacht, geredet, mal ein Bier getrunken, die Leute kommen gern wieder.
Trotzdem, in Potsdam selbst läuft das Geschäft gar nicht so wie erwartet, viele der Anfertigungen gehen in den Export, aus Potsdam raus. So wie es auch Steffi Ribbe immer wieder aus der Stadt zieht: „Ich bin eigentlich ein Dorfkind“, sagt die gebürtige Kyritzerin, „meine Schwester wohnt in einer alten Brennerei.“ Einen kleinen Traum hat sie auch, sobald es etwas besser läuft: „Dann mache ich mein altes Wohnmobil wieder fit.“
Von Oliver Dietrich

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