2015-01-27 PNN Ein weinerliches Lamento

„Ein weinerliches Lamento“ Preisweitergabe an Rote Hilfe sorgt für Ärger

Die Unterstützung der als linksextrem eingestuften Roten Hilfe in Potsdam durch den Spartacus-Verein sorgt für Wirbel. Das für den Verfassungsschutz zuständige Landesinnenministerium spricht von einem „sehr fragwürdigen Charakter“ der Roten Hilfe. Unklar ist, ob der Spartacus sein Preisgeld an die Gefangenenhilfsorganisation stiften kann.

Wie berichtet hatte die Potsdamer Rote Hilfe am vergangenen Freitag mitgeteilt, dass ihr der Spartacus seinen von der Stadtverwaltung erhaltenen Ehrenamtspreis widmet. Zur Begründung hieß es unter anderem, Besucher des Spartacus-Klubs würden „regelmäßig vom Verfassungsschutz überwacht sowie Kulturprojekte, Fußballfans und Bands bespitzelt und in öffentlichen Stellungnahmen der Behörde diffamiert“. Mit dem Geld – es geht um eine 300-Euro-Spende zugunsten eines Projektes, das die Preisträger benennen können – wolle man Personen, die gegen Bespitzelung durch den Verfassungsschutz juristisch vorgehen, finanziell unterstützen, so die Rote Hilfe.

Ein Sprecher des Innenministeriums erklärte am Montag auf PNN-Anfrage, die Rote Hilfe würde sich „nun mit fremden Federn schmücken“. Die Mitteilung vom Freitag sei „ein weinerliches Lamento über angebliche Kriminalisierung sowie eine peinliche Selbststilisierung zu bedauernswerten Opfern des vermeintlichen Überwachungsstaates“. Wie in der Szene üblich werde die wehrhafte Demokratie mittels schräger Unterstellungen polemisch diffamiert, so der Sprecher.

Den Ehrenamtspreis hatte der Spartacus e.V., der im Freiland in der Friedrich-Engels-Straße einen Veranstaltungssaal betreibt, im vergangenen September erhalten. Organisator war die kommunale Bauholding Pro Potsdam. Deren Sprecherin Jessica Beulshausen sagte, der Spartacus habe noch nicht offiziell über die Vergabe der bisher nicht ausgezahlten Spendengelder informiert. Allerdings sei nur die Förderung mildtätiger und gemeinnütziger Zwecke möglich. Damit seien zum Beispiel Initiativen vor Ort gemeint, die Nachbarschaften stärken, der sozialen und kulturellen Arbeit dienen oder Jugend-, Frauen- und Seniorenarbeit leisten, so Beulshausen. Der Spartacus-Verein schrieb indes bei Facebook im Internet: „Tretet der Roten Hilfe bei!“HK