2008-11-13 MAZ - Grenzverletzer / Volkmar Klein über die Besetzung des Plenarsaals durch junge Protestierer

Grenzverletzer
Volkmar Klein über die Besetzung des Plenarsaals durch junge Protestierer

Auch jugendliche Protestkultur hat eine Spaßgrenze. Sie ist gestern mit der Besetzung des Plenarsaals und der Nötigung gewählter Volksvertreter zum Bruch demokratischer Grundregeln überschritten worden.

Dass der brutale Polizeieinsatz vom Sonntag mit seinen Demütigungen für Wut sorgt, ist verständlich. Dass die ewige Suche der Stadt nach Ausweichquartieren für die alternative Jugendszene, verbunden mit dem Verlust immer neuer Räume, Enttäuschung provoziert, ist nachvollziehbar. Daraus eine deutliche Rede zu zimmern, ist legitim. Deren Vortrag mit einem auf ältere Stadtverordnete martialisch wirkenden Aufzug zu erzwingen, ist es nicht. Was sollte eigentlich jene nebulöse Drohung mit Wut-Konsequenzen, die „für niemanden mehr zu kalkulieren“ sind? Brennt demnächst das Rathaus und der OberGrenzverletzerbürgermeister ist schuld?

Wenn sich linke Jugendkultur ernst nimmt, sollte sie registrieren, wem dieser Aufzug das größte Vergnügen bereitet hat: dem DVU-Stadtverordneten Schwemmer. Es gab Zeiten, da war die Beantragung eines Rederechts nicht „langweilig“, wie die Protestler es nannten. Es gab keines. Auch keine Parlamente, die waren gestürmt. Und der Freiraum für Linke beschränkte sich auf die Holzpritsche einer Baracke.

Quelle: MAZ 13.11.2008