01.02.2020 Wie man herausfindet, was die eigene Familie im Nationalsozialismus tat

NS-Familienforschung

Wie man herausfindet, was die eigene Familie im Nationalsozialismus tat

Auch 75 Jahre nach Kriegsende wollen viele Menschen erfahren, was ihre Verwandten während des Nationalsozialismus taten. Eine Veranstaltung im Freiland Potsdam hat über einige Recherchemöglichkeiten informiert. Wie man Antworten findet auf die Frage, ob Opa wirklich nichts gewusst hat.
Potsdam

Was hast du damals getan, Opa? Hast du gar nichts mitbekommen? Und warum herrscht so großes Schweigen? Auch 75 Jahre nach Kriegsende wirft das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte in vielen Familien noch Fragen auf.

Fragen, die auch in Potsdam viele umtreiben. Anlässlich des Jahrestags der Auschwitz-Befreiung lud das Freiland Potsdam am Donnerstagabend zu einer besonderen Veranstaltung. Ein Vortrag mit dem Titel „Wie recherchiert man die Beteiligung von Familienmitgliedern im Nationalsozialismus?“ sollte jenen Menschen Hilfe bieten, die sich in ihrer eigenen Familie auf Spurensuche begeben wollen.
Katrin Raabe erklärte Recherchewege

Dazu hielt Katrin Raabe vom Verein „NS-Familien-Geschichte: hinterfragen – erforschen – aufklären e.V.“ einen Vortrag. Die Diplom-Pädagogin und Fotografin hatte jahrelang selbst die NS-Vergangenheit ihrer Familienmitglieder erforscht. Die 30 Anwesenden im HausZwei des Freilands lauschten ihr gespannt. Viele machten Notizen, die anschließende Fragerunde entwickelte sich zu einem Ideenaustausch.

Archive, Zeitzeugengespräche oder der Besuch von Gedenkorten: Katrin Raabe hat es sich zur Aufgabe gemacht, andere Menschen über die verschiedenen Recherchemöglichkeiten zu informieren. Eine Auswahl ihrer Hilfestellungen:
Datenstand erfassen

Am Anfang sollte man „systematisch die biographischen Daten zusammentragen“, über die man verfüge, rät Katrin Raabe. Hier helfen Briefe, Fotos oder andere Belege.

Suche in Archiven

Archiv ist nicht gleich Archiv, erklärt Katrin Raabe. Auf der untersten Ebene seien die Stadt- und Kreisarchive. Dort könne man Meldekarten oder auch Adressbücher einsehen. Damit könne man Anhaltspunkte über die Aufenthaltsorte der Verwandten erfahren.

Landesarchive dokumentieren Prozessakten aus der Nachkriegszeit. Hier könne man sehen, ob Verwandte Entnazifizierungsverfahren durchliefen, so Katrin Raabe.

Im Bundesarchiv Berlin liegen die Personalakten der Reichsbehörden. Auch ist hier die NSDAP-Kartei, wo eine Parteimitgliedschaft nachgewiesen werden kann. „Wenn man dort etwa sieht, dass der Onkel direkt am 1. Mai 1933 eingetreten ist, dann wollte er das auch“, erklärt Katrin Raabe.
Militärischer Bereich

Die zum Bundesarchiv gehörende Deutsche Dienststelle (WAST) gibt außerdem Auskünfte über Gefallene der Wehrmacht oder über Kriegsgefangenschaft.

Was den militärischen Bereich angeht empfiehlt Katrin Raabe das Militärarchiv in Freiburg. Dort findet man Informationen zur Wehrmacht und einzelnen Einheiten.

Auch der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge führe akribisch Akten darüber, „was mit welchem Soldaten wie passiert ist“, so Katrin Raabe.
Auf der Opferseite

Der Internationale Suchdienst (ITS) hilft bei der Suche nach im Zweiten Weltkrieg verschollenen Personen. Die „umfangreichste Datenbank der Opfer des Nationalsozialismus“ sei jedoch Yad Vashem in Israel, so Katrin Raabe. Dort könne man beispielsweise jede aus Potsdam deportierte Person finden.

Suche vor Ort – und im Gespräch mit Zeitzeugen

„Man kommt wesentlich weiter, wenn man vor Ort ist“, rät Katrin Raabe. Beispielsweise an Orten, wo man eine Tätigkeit der Verwandten vermutet. Auch Gedenkorte oder Museen seien Anhaltspunkte. Außerdem ganz wichtig: Das Gespräch mit jenen, die die NS-Zeit erlebt haben. Denn auch das gibt Katrin Raabe mit auf den Weg: „Jetzt ist genau die Zeit, das noch zu machen. Noch leben die Zeitzeugen.“

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@Karl

Hier ist übrings das Handout von dem Verein aus Göttingen.

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